Inari


Strecke: Inari -> Ivalo
Unterkunft:
Camp(31.07.2008)
Profil: recht flach
Wetter: Sonne und Regen
Tageskilometer: 61,63 km Fahrtzeit: 3:45:54 Durchschnitt: 16,79 km/h
(die Strecke von Inari nach Ivalo ist kürzer, da sind noch ein paar Kilometer dazugekommen)

Unser Standard-Lagerplatz in Inari ist nicht gerade versteckt. Es scheint, dass alle Besucher Inaris genau hierher kommen, um einen Blick auf den Inarisee zu werfen. Wir zelten gewissermaßen genau auf der Aussichtsplattform. Die meisten Touristen ignorieren uns und wir ignorieren sie. Da wir mittlerweile schon zum dritten Mal hier nächtigen und uns schon wie zu Hause fühlen fallen uns die früh am Morgen um uns herum streifenden Besucher kaum noch auf.  Je weniger man sie beachtet desto interessierter nähern sie sich uns….. zaghaft. Während wir also heute früh vor dem Zelt frühstücken, nähert sich langsam ein englischsprachiges Touristenpärchen. Sie bleiben in einem gewissen Sicherheitsabstand stehen und beobachten uns. Sie registrieren, kommentieren und diskutieren, leise aber hörbar, jede unserer Handlungen. (Kaffee kochen, Milch schütteln, porridge machen, Brot braten, etc.)

Nach einiger Zeit überwinden sie ihre Scheu, kommen noch ein Stück näher und sprechen uns an. Mit der Frage, die ich vermutlich auf dieser Fahrt am häufigsten gehört habe: „Ist es nicht kalt im Zelt?“ Nachdem so die erste Hürde genommen ist kommen wir ins Gespräch.

Rentiere

Rentiere

Rentier

Rentier

Alte Hütte

Strecke: Liekovuopajasaaret -> Inari
Unterkunft: Camp(30.07.2008)
Wetter: Sonne, Regen, Gewitterwolken, Donner, keine Blitze(nicht in unserer Nähe)
Wind: bis 5 Windstärken

:-( / :-( Etwas enttäuscht, sind wir schon wieder auf dem Rückweg. So vier bis fünf Wochen würden wir schon gerne noch dranhängen. Das war jetzt mehr ein Inariseeschnupperausflug. Der Inarisee hat sich bisher von seiner besten Seite gezeigt, aber heute bekommen wir die Gelegenheit auch mal eine etwas ungemütlichere Wettervariante kennenzulernen. Die Stimmung auf dem See ist düster, nach einer noch recht ruhigen Phase am Morgen ziehen erste Gewitterwolken auf. Wind und Wellen sind so, dass wir noch sicher fahren können, aber das kann sich schnell ändern. Wir hören gelegentlich Donner, sehen aber keine Blitze. Das ist auch gut so. Blitze, sind auf dem Wasser doof. Wir sind, abgesehen von den Inseln der höchste Punkt weit und breit, ganz egal ob wir uns hinlegen oder sitzen bleiben. Wir paddeln etwas zügiger als die letzten Tage und planen heute schon zurück in Inari zu sein. Morgen sollen wir das Boot wieder abgeben, aber es macht nicht wirklich Sinn, eine Nacht bei Gewitter auf einer dieser Inseln zu verbringen und dann im schlimmsten Fall, z.B. bei Windstärke 7, morgen kurz vor Inari auf einer Insel festzusitzen.

Als die Gewitterfronten vorbeigezogen sind, machen wir auf einer kleinen Insel ca. fünf Kilometer vor Inari noch mal Pause. Hier stoßen wir auf etwas ganz außergewöhnliches – auf friedliche Mücken. Tausende davon, aber keine sticht. Das muss ein ganz besonderer Ort sein :-) .

Leider haben wir uns zu früh gefreut, kaum machen wir uns wieder auf den Weg wird das Wetter schon wieder schlechter. Es regnet in Strömen und Wind und Wellen werden bedrohlich. Wenn der Wind noch weiter auffrischt haben wir ein Problem. Wir sind zum Glück inzwischen wieder recht nahe zum Festland, ändern die Richtung und legen an. Nur noch zwei Kilometer bis Inari und es sieht fast so aus, als würden wir hier noch mal eine Nacht abwarten müssen. Aber, das Wetter ändert sich schnell auf dem Inarisee und so schnell wie Wind und Regen über uns hereingebrochen sind, so schnell hört es auch wieder auf.

In Inari gönnen wir uns noch mal ein Abendessen im Hotel und gehen dann zu unserem mittlerweile gut bekanntem Platz mit Blick über den Inarisee und schlagen das Zelt auf.

Inarisee
Am Morgen sieht der See noch ruhig, aber schon düster aus

Unterkunft: Camp(26.07.2008)
Wetter: trocken
Wind: 7 Windstärken

Inarijärvi (Inarisee):
Der Inarisee ist mit seinen ca. 1000 km2 ungefähr doppelt so groß wie der Bodensee (535 km2) dabei ist er recht flach, nicht tiefer als 92 m. Im Winter ist der See komplett zugefroren und die über 3000 Inseln können per Motorschlitten erreicht werden. Das Wasser des Inarisees ist kalt, es erwärmt sich nur selten auf Temperaturen über 15°C. In dem Labyrinth der Inseln kann man ohne Karte und Kompass, oder GPS schon mal die Orientierung verlieren.

Es gibt hier in Inari mindestens zwei Stellen wo wir uns ein Kanu mieten können. Im Infocenter können wir allerdings nur ein Kajak für eine Mehrtagestour bekommen. Kanadier werden nur für Tagestouren verliehen.

Wir, dass sind jetzt nur noch Anja und ich. Holger fährt heute weiter nach Ivalo und fliegt morgen wieder nach Deutschland. Seine erste größere Radtour hat ihm gefallen, ob er sich von Anjas und meiner Skandinavienbegeisterung hat anstecken lassen konnte ich nicht so richtig raushören. Ich habe den Eindruck, dass sein Herz eher für arabische, indische und südamerikanische Länder schlägt. Er hatte nur zwei Wochen Urlaub und sein Rückflug ist auch der Grund dafür, dass wir schon wieder hier sind. Stefan fährt alleine Richtung Gamvik. Stefan ging es in den letzten Tagen nicht gut, er scheint Schmerzen zu haben, sagt aber nichts. Hoffentlich hat er sich mit der Tour nach Gamvik nicht zu viel vorgenommen. Die Strecke ist weit, das hat nichts mit dem gemütlichen Radeln unserer gemeinsamen Tour zu tun. Aber das Ziel ist lohnend, ich würde auch gerne noch nach Gamvik, vermutlich werde ich nach der Paddeltour allerdings nicht noch mal gen Norden fahren.

Kanadier werden nicht für Mehrtagestouren verliehen, weil es auf dem See zu abrupten Wetterwechseln kommen kann. Starke Winde und unruhiges Wasser können den Paddler überraschen. Ein offener Kanadier ist bei solchen Bedingungen zu unsicher…. Soweit die Begründung.

Aber für Tagestouren werden Kanadier durchaus verliehen. Die Begründung überzeugt uns nicht. Wenn man mehrere Tage unterwegs ist hat man auch die Möglichkeit einfach noch eine Nacht auf einer Insel abzuwarten, falls der Seegang zu heftig wird. Bei einer Tagestour hat man diese Möglichkeit nicht.

Auf dem nahegelegenen Campingplatz wird das sinnvoller geregelt. Wir bekommen hier einen 2-er Kanadier für die nächsten Tage. Abends sollen wir uns immer per sms melden und unsere Position mitteilen und den Plan für den nächsten Tag. Auf dem See hat man überraschenderweise fast überall Handyempfang. Sollte man mal keinen Empfang haben, muss man sich nur eine Insel suchen und dort auf einen Hügel steigen.

Der See präsentiert sich heute bei Windstärke 7 äußerst ungemütlich, um nicht zu sagen unbefahrbar, zumindest für uns. Wir verschieben unsere Abfahrt auf Morgen und verbringen noch eine Nacht im Wald nahe bei Inari.

Inari

Inarisee, still und ruhig am frühen Morgen

Anja

Finnischer Postkasten

Strecke: Neiedenelven -> Inari
Unterkunft:
Camp(25.07.2008)
Profil: recht flach
Wetter: recht trocken
Tageskilometer: 109,31 km Fahrtzeit: 6:17:32 Durchschnitt: 17,68 km/h

Meine Hose – also die hellen Stellen! – eignet sich wunderbar zum Weißabgleich……

Zum Weißabgleich verwendet man üblicherweise eine Graukarte. Eine Graukarte ist zu 18 % grau. Man richtet seine Kamera auf diese Graukarte, die in Richtung des gewünschten Motivs (der gewünschten Szene) gehalten wird damit sie, wie auch das Motiv (die Szene), im gleichen Licht steht. Also gleich beleuchtet ist. Damit stellt man die Kamera auf das vorhandene Licht ein und kann so die Szene mit korrekter Belichtung (also Kombination aus Verschlusszeit und Blende) ablichten. Man kann solche Graukarten die übrigens „neutral grau“ sind sogar kaufen, man kann sich aber auch einfach eine neutral graue Fläche ausdrucken (18 %) und sich seine Graukarte selber herstellen. Oder, wie Anja festgestellt hat, man nimmt meine Hose – also die hellen Stellen! – als Graukartenersatz. Wichtig ist dann nur, dass ich immer im richtigen Licht stehe. Meine Hose ist also neutral grau….. muss mir das zu denken geben? ….. wenigstens nur zu 18 %

Neueste wissenschaftliche Studien haben übrigens ergeben, dass eine durchschnittliche Szene in Wirklichkeit zu 12,5 % grau ist. Daher sind moderne Belichtungsmesser auch auf 12,5 % grau geeicht. Die Graukarten sind allerdings weiterhin zu 18 % grau. Schon damit man nicht durcheinander kommt.

Die Welt ist also zu 12,5 % grau. Eine durchschnittliche Szene ist einfach alles was man so fotografiert und das ist so ziemlich alles was es so gibt auf dieser Welt. Also für alle die gerade mal wieder schwarzsehen oder die Welt, aus welchen Gründen auch immer, als trübe, fahl-/maus-/asch- oder neutral graue undurchdringliche Masse wahrnehmen. Ihr müsst nur die richtige Belichtung einstellen – und nie vergessen, die Welt ist nur zu 12,5 % grau!

Das Leben ist bunt

finnischer Souvenierladen

Hotel Inari..... mal wieder

Strecke: Ukonjärvi -> Inari
Unterkunft:
Camp(15.07.2008)
Profil: wellig
Wetter: sonnig
Tageskilometer: 33,04 km Fahrtzeit: 1:56:57 Durchschnitt: 17,52 km/h

Finnland begrüßt meine neuen Mitradler mit einer abwechslungsreichen, bunten Vielfalt von blutsaugenden Insekten die mit immer wieder neuen Arten überraschen. Die Finnen haben sich angepasst, so wie die Inuit zahlreiche Begriffe für Schnee und Wüstenbewohner zahlreiche Begriffe für Sand haben, unterscheidet man hier die vielen verschiedenen Mückenarten.

Stechmücke (itikka):
Die mit Abstand am häufigsten anzutreffende Art ist die gemeine Stechmücke. In unvorstellbaren Massen treten diese Tiere auf. Wenn man morgens meint, den Regen zu hören wie er auf das Zelt prasselt, dann kommt es vor, dass man recht schnell feststellen muss, dass es hunderte von Stechmücken sind, die sich unter dem Aussenzelt aufhalten und dort einen wilden Tanz aufführen.

Itikka ist der gebräuchlichste Begriff für Mücken und kann auch als Sammelbegriff für alle fliegenden, nervenden und stechenden Insekten verwendet werden. Aber Vorsicht, auch die Finnen haben verschiedene regionale Dialekte. In einem Westfinnischen Dialekt könnte es Missverständnisse geben, „itikka“ bedeutet in diesem Dialekt „Kuh“.

Daneben gibt es „sääski“, „hyttynen“, „moskiito“, uvm.

Kriebelmücke (Mäkärä): (Knott/Englisch)
Nicht täglich und nicht überall, aber immer noch häufig trifft man auf diese winzigen Vertreter, die sich nur noch durch sehr dichte Fliegennetze aufhalten lassen. Diese Tiere stechen nicht, sie beißen, was aber für den gepeinigten keinen Unterschied macht. Besonders lästig ist, dass sie gerne in Mund, Nasenlöcher, Augen und Ohren fliegen. Angeblich kann man, wenn es zu viele sind daran ersticken, das halte ich aber wirklich für ein Märchen. Sehr viel wahrscheinlicher ist wohl, dass man von diesen unaufhörlich nervenden Viechern in den Wahnsinn getrieben wird.

Pferdebremsen (Paarma):
sind eher selten anzutreffen.

Noch mehr Mücken:
Dann bin ich hier noch auf zwei interessante Gattungen gestoßen (oder vielmehr, sie auf mich). Die einen schimmern leicht metallisch und sehen aus wie besonders große Knots, die anderen sind ähnlich gebaut wie Stechmücken haben aber kürzere Beine und einen dickeren Körper.
Beide sind mir aber recht selten untergekommen.
Rentierbremsen / Rinderbremse (Poro Parma):
Rentierbremse

Es sieht bedrohlich aus, wenn fünf oder mehr dieser gut drei cm langen Brocken einen Radfahrer während der Fahrt wie Satelliten umkreisen. Abschütteln kann man sie nicht, Bremsen können leicht 60 km/h fliegen. Sie landen äußerst selten, trinken pro Mahlzeit bis zu 1 cm3 Blut und die Nachwirkungen der Mahlzeit sorgen dafür, dass man das Tier über Tage in Erinnerung behält.

Henri Pellonpää:
Der Finne Henri Pellonpää steht mit dem Weltrekord im Mückentotschlagen im Guinessbuch der Rekorde. Er hat 21 Mücken in fünf Minuten mit seinen Händen erschlagen….. Das soll Weltrekord sein? Ich kenne die Wettkampfbedingungen nicht, aber den Rekord habe ich in den letzten Tagen regelmäßig um Längen geschlagen.

Von den ca. 50 Mückenarten in Finnland sollen es angeblich nur 5 auf den Menschen abgesehen haben. Vermutlich sind Knots und Bremsen keine Mücken, wenn ich die Plagegeister zusammenzähle mit denen ich Bekanntschaft gemacht habe komme ich schon mal auf sechs.

Gegenmaßnahmen:
Mückenmittelselbstversuche: Hier habe ich mal ein paar meiner „getesteten“ Antimückenmittel und ihre Wirksamkeit beschrieben.

Mücken ignorieren: Ist meiner Meinung nach der sinnvollste Weg mit ihnen umzugehen. Alles andere macht nur Stress und führt doch nicht zum gewünschten Ergebnis. Mit der nötigen Ruhe bemerkt man sie kaum noch und der Körper scheint sich mit der Zeit auf die Stiche einzustellen und reagiert fast gar nicht mehr. Das ist natürlich nichts für Allergiker.

Es gibt noch einen wirklich funktionierenden Schutz. Ein Mückenhut hilft. Wichtig ist aber, dass das Mückennetz nirgends auf deiner Haut aufliegt, sonst kann  man das Netz auch gleich weglassen. Es gibt Hüte, die das Netz auf Abstand halten, die anderen sind mehr oder weniger nutzlos. Gegen die Knots helfen nur besonders kleinmaschige Mückennetze, durch normale Mückennetze krabbeln sie einfach durch. Die Knotsicheren Mückennetze sind allerdings auch fast Blickdicht, was irgendwie unpraktisch ist und abgesehen davon muss man das Netz zum Essen doch wieder abnehmen.

Boot am Museum in Unkonjärvi

Bei Ukonjärvi

Rentiere blockieren die Straße

Rentiere blockieren die Straße

Rentier

Zwischen Inari und Unkonjärvi

Holger

Zwischen Inari und Unkonjärvi

Holger

Rundflüge über den Inarisee

Hotel Inari

Kirche von Inari

Kirche von Inari

Stefan im Inarisee

Jörg

Salat

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