Norwegen


Strecke:  Storvik -> Meløy
Unterkunft: Camp(04.09.2008)
Wetter:
den ganzen Tag fällt ganz viel Wasser von oben
Profil:
Hügel
Tageskilometer:
43,23 km Fahrtzeit: 2:48:07 Durchschnitt: 15,92 km/h

Bei Dauerregen und ungemütlichen Temperaturen krieche ich langsam eine nicht enden wollende Straße entlang. Quälende Steigungen bringen mich nicht aufwärts und das bisschen Gegenwind kann den grauen Nebelschleier der auf meiner Stimmung liegt auch nicht wegblasen. Die Landschaft, die schroffen Berge um mich herum kann man bei dem Wetter kaum sehen und wenn ich sie sehen würde, würde das meine Laune auch nicht aufhellen. Die Berge sehen genauso aus wie die, die ich gestern, vorgestern und in den letzten Wochen gesehen habe. Für das Meer und die Küste gilt das gleiche. Es ist niemand in der Nähe mit dem ich sprechen könnte und wenn da einer wär, ich würde ganz schnell weiterfahren, um weiteres BlaBlaBla zu vermeiden. Ich will auch nicht fotografieren und was soll ich hier schon großartig fotografieren. Warum soll ich überhaupt fotografieren? Sieht doch alles gleich aus. Warum soll ich irgendwas davon festhalten? Und schreiben? Keine Ahnung was mir daran in letzter Zeit so viel Spaß gemacht hat. Ich schreibe, weil ich für mich später ein Tagebuch der Reise haben möchte und damit andere an meiner Reise teilhaben können. Ich schreibe, weil ich mir beim Schreiben die Situation noch mal ins Gedächtsnis rufe, noch mal erlebe und mir manchmal das ein- oder andere auffällt, was mir in dem Moment gar nicht bewusst geworden ist, ich schreibe, um nicht alles wieder zu vergessen. Warum will ich das nicht vergessen? Warum sollte ich mich irgendwann daran erinnern wollen wie ich hier durch den Regen gekrochen bin und warum sollte das irgendjemanden auch nur im Mindesten interessieren?

Das Wetter nervt, Radfahren nervt, die Landschaft ist doof, das ist doch alles ein riesengroßer Mist!

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Ich bin richtig erleichtert, als dieser seltsame Gemütszustand nach einer knappen Stunde wieder verfliegt. Ich habe keine Ahnung von welcher Seite der angeflogen gekommen ist.

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Fähre

Regenbogen

Strecke:   Bodø -> Storvik
Unterkunft: Camp(03.09.2008)
Wetter:
Sonne, kalt
Profil:
große Hügel
Tageskilometer:
53,81 km Fahrtzeit: 3:24:01 Durchschnitt: 16,00 km/h
Höchstgeschwindigkeit:
61,7 km/h

Bei einem Tankstellenstop treffe ich Michael. Er ist am 31.03.2008 in Australien gestartet und hat seitdem ca. 20.000 Kilometer zurückgelegt. Ein Stück in Australien und dann überwiegend durch Russland. Für holprigere Wegstücke hat er Crossreifen dabei. Michael will diesen Winter als Skilehrer in Norwegen arbeiten und dann im nächsten Jahr weiterfahren. Wohin weiß er noch nicht genau. Nach meiner persönlichen Statistik sind alle Australier reiselustige, sympatischen Verrückte. Das trifft zumindest auf alle Australier zu, die ich bisher getroffen habe.

Mir gibt die Begegnung den Anstoß meine bisher gefahrene Strecke mal zusammenzuzählen. Heute sind es genau 7411,72 Kilometer während dieser Tour. Darauf kommt es mir zwar nicht an, aber trotzdem schön zu wissen.

Ausblick am Morgen

Badeteich

Michael aus Australien

Michaels Bike

Abendrot

Strecke:   Moskenes -> Bodø ->
Unterkunft: Camp(02.09.2008)
Wetter:
Sonne kalt, Sonne warm, Sonne kalt
Profil:
Norwegisch
Tageskilometer:
54,3 km Fahrtzeit: 3:55:57 Durchschnitt: 14,10 km/h

Bodø macht auf mich, der ich seit Monaten durch dünn besiedelte Gegenden fahre, den Eindruck einer überfüllten, hektischen Großstadt. Auf der Strecke vom Hafen zur Bibliothek – der Besuch der Bibliothek ist für mich mittlerweile obligatorisch wann immer ich einen etwas größeren Ort streife – fallen mir Verkehrslärm, Baustellen und betriebsame Menschen in den Häuserschluchten zwar schon auf, aber es ist noch ganz gut auszuhalten. Nach meiner Bibliotheksarbeit und einer Pause im Park mache ich mich daran meine Reise fortzusetzen. Jetzt erst zeigt diese Stadt ihr wahres Gesicht und vor allem ihre Größe. Schier endlos erscheinende Kilometer fahre ich entlang einer Hauptstraße voll von lärmenden Autos. Es ist sehr warm. Straßen, Verkehrslärm und Autoabgase werden mir mit steigender Temperatur um so unangenehmer. Nach vielleicht 20 Kilometern kann ich die Hauptstraße wieder verlassen und es wird etwas ruhiger.

Ich überquere den Saltstraumen, den stärksten Mahlstrom der Welt. Durch die Gezeitenkräfte angetrieben, zwängen sich ca. 400 Millionen Kubikmeter Wasser alle sechs Stunden in wechselnder Richtung durch eine 150 Meter breite Meeresenge. Bei einer Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h entstehen hier Strudel von bis zu 10 Meter Durchmesser.

Zum Baden ist die Stelle hier jedenfalls nicht geeignet.

Saltstraumen

See

Brot backen

Strecke:   Ballstad -> Moskenes
Unterkunft: Camp(01.09.2008)
Wetter:
Sonne
Tageskilometer:
71,83 km Fahrtzeit: 4:43:08 Durchschnitt: 15,47 km/h

Quälend langsamer Start, aber nach ein paar Stunden Fahrt durch eine märchenhaft schöne Gegend, vorbei an schroffen Bergen und durch kleine Fischerdörfer, habe ich mich wieder eingerollt.

Eigentlich wollte ich von Moskenes aus über Værøy nach Røst, aber bedingt durch das Saisonende fährt die nächste Fähre in der Richtung erst Mittwoch früh und das  morgens um 4:00 Uhr. Natürlich könnte ich morgen die Gegend hier erkunden, wandern gehen und den vermutlich ersten Ort im Index eines Atlanten besuchen – „Å i Lofoten“. Es gibt übrigens reichlich Orte die „Å“ heißen in Norwegen, aber „Å i Lofoten“ ist durch seinen Namen berühmt geworden. Ich mag mich hier aber nicht länger aufhalten und möchte lieber weiter Richtung Süden fahren. Die Nächte werden immer länger und vor allem kälter.

Die Fähre nach Bodø fährt morgen früh um 7:00 Uhr, was für mich auch nicht gerade optimal ist. Ich brauche ein Nachtlager hier in der Nähe, sonst könnte ich glatt Gefahr laufen die Fähre morgen früh noch zu verpassen. Die nächste Fähre fährt erst…… Ach je.

Die Lösung des Problems findet sich schnell und ist äußerst pragmatisch. Der erste Wagen in der Schlange ist ein Sattelschlepper mit großer freier Ladefläche. Ich frage den Fahrer, ob er ein paar Quadratmeter für mich hat und schlage mein Zelt direkt bei ihm auf der Ladefläche auf. So kann ich die Fähre morgen früh auf keinen Fall verpassen und ich bin auch gleich der Zweite in der Schlange. Der Fahrer steht übrigens schon seit gut zwölf Stunden hier und wartet. Er hat noch mit den Abfahrtszeiten geplant, die leider seit  heute nicht mehr gültig sind. Er könnte zurückfahren und einen anderen Weg zum Festland nehmen, das wäre aber ein Umweg von ca. 500 Kilometern, was sich nicht lohnen würde.

Blick über Ballstad

Camp bei Ballstad

Renovierungsbedürftig

Traumkullise

Diese Bauweise macht mir Angst

Camp in Moskenes

Die Fähre kann ich so nicht verpassen

Strecke:   Gravdal -> Ballstad
Unterkunft: Camp(31.08.2008)
Wetter:
Sonne
Tageskilometer:
7,95 km Fahrtzeit: 0:38:12 Durchschnitt: 13,42 km/h

Die Saison ist vorbei! Die Fähre mit der ich von Ballstad nach Nusfjord fahren wollte, fährt leider nicht mehr, mit 250,- nkr wär sie mir allerdings sowieso zu teuer gewesen.

Einfach umdrehen und zurückfahren liegt mir nicht. Wo ich schon mal hier bin kann ich mich auch noch ein wenig umschauen, wer weiß was es hier zu entdecken gibt.

Zunächst treffe ich keinen Menschen. Nur Möwen, Stockfisch, Holzhäuser, Boote, Meer und die Berge drum herum. Ballstad liegt auf der kleinen Insel Ballstadøya,  die durch eine Brücke mit Vestvågøy verbunden ist. Auch diese Lage macht den besonderen Charme des alten Fischerörtchens, das mich ein wenig an Henningsvær erinnert, aus.

(Manchmal ärgere ich mich ein wenig, dass ich mich nicht vorher über meine Reisestationen informiere. Hier in Ballstad ist an einer Werfthalle ein Landschaftsbild, welches als größtes Wandbild der Welt gilt. Ich meine mich zu erinnern, das Bild gesehen zu haben, aber ich habe nicht mal ein Foto davon gemacht. :-( )

Auf einem Holzsteg finde ich einen dampfenden, mit Holz befeuerten Hot Pot und hier treffe ich auch einen älteren Herrn. Nach einem kurzen Gespräch bietet er mir freundlich an ein Bad zu nehmen und erklärt mir wie das funktioniert.

Zuerst im Hot Pot aufheizen, bis man es kaum mehr aushält. Dann raus und vom Steg springen zur Abkühlung. Zur Leiter schwimmen und wieder auf den Steg klettern. Danach zügig wieder ins heisse Wasser. ………… Brrrrrrrrrrrrrrrrr.

Frisch gebadet entdecke ich den Pub in Ballstad. Es ist gerade mal 11:00 Uhr. Ich bin der einzige Gast und kann hier in aller Ruhe schreiben. Gegen Nachmittag wird es hier etwas belebter. Ein Sänger und Klavierspieler bietet zusammen mit einem Saxophonspieler (Dr. Energy, von den Kanaren) Livemusik und ein paar Einheimische (echte Ballstädter) und Gäste aus Oslo laden mich zum Bier ein.

Der Pub, so erzählt mir der Wirt,  ist der einzige Pub/Kaffee/Gaststätte/Hotel auf den Lofoten mit Ganzjahresbetrieb. Gehen denn die Inselbewohner im Winter gar nicht weg?

Gerade noch nüchtern genug mein Zelt ein Stück außerhalb des Ortskerns bei einem alten und leeren Trockenfischgestell aufzustellen, verlasse ich den Pub nachts gegen zwei Uhr.

Bei Gravdal

Camp bei Gravdal

Ballstad

Stockfisch

Hot Pot

Dr. Engergy

Er hat auch viel Energie

und er erst

Er heute nicht mehr

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