Taliouine -> Aoulouz
Tageskilometer: 44,84 km
H├Âhenprofil:
1020 -> 650  -> Taxi zurück

Ich beschlie├če f├╝r ein oder zwei Tage hier zu bleiben. Mein Barverm├Âgen an Dirhams ist aufgebraucht, ich habe aber noch ein paar Euro, die ich wechseln m├Âchte. Ich fahre also nach Aoulouz zur Bank. Ein Ausflug der sich lohnt. Hier werden Arganenb├Ąume kultivert und ich habe das Gef├╝hl, ich sehe zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Marokko etwas gr├╝nes. W├Ąhrend ich die Strecke nach Auolouz bergab rausche geniesse ich diesen erfrischenden Anblick. Die Arganien werden in erster Linie zur Herstellung eines wohlschmeckenden Speise├Âls, und zum Teil zur Behandlung von Hautkrankheiten verwendet.

In Aoulouz stehen doch tats├Ąchlich zwei Polizisten am Stra├čenrand und blitzen zu schnell fahrende Autos und/oder Maultierkarren. Damit h├Ątte ich hier nicht gerechnet. Um 8:30 Uhr bin ich Aoulouz und die Bank ist schnell gefunden. Die T├╝r ist verschlossen. Ich klopfe an die Glast├╝r und der T├╝rsteher schlie├čt mir die T├╝r auf und l├Ąsst mich ein. Hinter mir wird wieder abgeschlossen. So wird das bei jedem gehandhabt, der die Bank betreten m├Âchte.

In Marokko hat man Zeit! Die Schlange am Schalter bewegt sich nur unmerklich, eigentlich so gut wie gar nicht. Bin ich am Anfang noch von europ├Ąischer Ungeduld erf├╝llt, schon bald schalte ich ab und verfalle in eine Art Entspannungszustand. Was nicht zu ├Ąndern ist muss man hinnehmen, oder besser noch, genie├čen. Ich beobachte die M├Ąnner am Bankschalter bei ihrer T├Ątigkeit, die Kunden, die mit mir in der Schlange stehen und sich offensichtlich in einen ├Ąhnlich entspannten Geisteszustand wie ich versetzt haben und den T├╝rsteher. Jeder, der die Bank betreten m├Âchte, wird kurz durch die Glast├╝r angeschaut, dann wird aufgeschlossen und der Kunde wird freundlich begr├╝├čt. Nur einmal wird einer Person der Eintritt verwehrt. Durch die geschlossene Glast├╝r wird dem Kunden freundlich, aber bestimmt zu verstehen gegeben, dass er hier nicht hereinkommt.

Nach einer gef├╝hlten Ewigkeit komme ich an die Reihe, bekomme mein Geld gewechselt und gehe wieder raus auf die Stra├če. Eigentlich wollte ich mit dem Bus zur├╝ckfahren. Ich konnte allerdings, w├Ąhrend meiner Entspannungsphase in der Warteschlange durch die Glast├╝r zusehen wie der Bus in die Stadt kommt, h├Ąlt und f├╝r bestimmt 15 Minuten stehen bleibt und auf G├Ąste wartet, um dann schlie├člich seine Fahrt wieder fortzusetzen. Auf den n├Ąchsten Bus m├Âchte ich nicht warten.

Ich kaufe noch f├╝r 10 Dirham Mandarinen ein (2 kg) und zwei Dosen Sardinen. F├╝r die zwei Dosen Sardinen bearbeitet der Verk├Ąufer schon wieder ausgiebig seinen Taschenrechner, um mir dann mitzuteilen, dass er 8 Dirham daf├╝r haben m├Âchte. 4 + 4 ist 8, ich bin mir sicher, dass ein marokkanischer Verk├Ąufer ziemlich gut im Kopfrechnen ist und daf├╝r keinen Taschenrechner braucht.

Der Taxistand ist ein Erlebnis f├╝r sich. Die Taxifahrer stehen neben ihren Taxis und rufen den Ortsnamen wo sie hinfahren. „TALIOUINE, TALIOUINE, TALIOUINE!“ Der Preis ist fair, 12 Dirham f├╝r mich, das ist auch der Preis den man mir f├╝r den Bus gesagt hat und 20 Dirham f├╝r mein Rad. Ich baue beide R├Ąder, Spiegel, Kompass und Tacho ab, lade das Rad in den Kofferraum und quetsche mich zu den anderen Mitfahrern in den Wagen. Auf dem Beifahrersitz sitzen schon zwei und hinten sitzen schon drei Personen. Der Fahrer bleibt drau├čen und ruft erneut „TALIOUINE, TALIOUINE, TALIOUINE!“ Schon bald findet sich ein weiterer Mitfahrer und schafft es irgendwie sich auch noch auf die R├╝ckbank zu zw├Ąngen. Jetzt endlich ist der Fahrer der Meinung, dass sein Taxi nun voll genug sei. Jetzt wird erstmal abkassiert. Damit hatte ich nicht gerechnet und ich bin in meiner Beweglichkeit so eingeschr├Ąnkt, dass ich keine Chance habe an mein Geld zu kommen. Es hilft nichts, die H├Ąlfte der G├Ąste muss wieder aussteigen damit ich an mein Geld komme und bezahlen kann. Das Geld bekommt nicht der Fahrer sondern ein anderer, vermutlich der Besitzer des Taxis, der Taxifahrer wird von ihm bezahlt und es geht los….. sp├Ątestens jetzt wei├č ich warum das Geld vorher in Sicherheit gebracht wird. Als Radfahrer hatte ich immer das Gef├╝hl, dass sie r├╝cksichtsvoll und umsichtig fahren, wenn auch ein wenig chaotisch. Aus Beifahrersicht wirkt das doch eher bedrohlich auf mich. Der Fahrer ist Berber und spricht kein Wort arabisch, franz├Âsisch schon gar nicht. Die anderen G├Ąste ├╝bersetzen, wenn er mich etwas fragt. Die Stimmung im Taxi ist freundlich, gespr├Ąchig und lustig. Sammeltaxifahren ist auch preislich eine empfehlenswerte Bef├Ârderungsvariante.

Nach einer kurzen Pause im Hotel fahre ich noch mal ein wenig in der Gegend herum und suche mir einen ruhigen Platz irgendwo im Schatten, um mir etwas zu essen zu kochen.