Strecke: Menara Airport – > Marrakesch
Tageskilometer:
7,25 km

Der Landeanflug auf Marrakesch ist herrlich. Die Stadt sieht schon von oben anders aus als alles was ich bisher gesehen habe. Erdfarben mit eng beieinander stehenden w√ľrfelartigen H√§usern. Drum herum erdfarbenes Land und weit hinten die dunklen Schatten der Berge in blau-schwarz und dar√ľber roter Himmel und der volle Mond. Ich steige aus dem Flugzeug aus und stehe auf dem Flugfeld. √úber dem Flughafengeb√§ude mit der arabischen Aufschrift steht der Mond. Ich sehe wie mein Fahrrad und mein Gep√§ck aus dem Flugzeug¬† geladen wird. Prima, alles gut angekommen. Ich lasse mir etwas Zeit mich dar√ľber zu freuen gut hier angekommen zu sein und zum ersten Mal marokkanische (afrikanische) Luft einzuatmen…… Zu viel Zeit! Als ich mich endlich vom Flugfeld in das Flughafengeb√§ude begebe, haben sich vor den 25 Schaltern der Passkontrolle lange Schlangen gebildet. Ich reihe mich ein und warte. Es dauert endlos lange, bis ich endlich an der Reihe bin. Ich muss ein kleines Formular ausf√ľllen und hier abgeben. Name / Vorname / Passnummer und Ausstellungsdatum, das ist kein Problem. Hotelname und Telefonnummer w√§hrend des Aufenthalts in Marokko…. Ich lasse das mal frei. Der Beamte tr√§gt auf Nachfrage „circuit“ also Rundreise ein.

Nach der Passkontrolle kann ich mir ohne weitere Verz√∂gerungen Rad und Gep√§ck schnappen und den Zollbereich verlassen. Ich suche mir eine ruhige Ecke und mache mein Rad fahrbereit. Ein Flughafenangestellter weist mich mehrfach darauf hin, dass ich mich beeilen soll. Der Flughafen wird gleich abgeschlossen…. Kaum angekommen, schon im Stress, und das soll Urlaub sein. Fliegen ist f√ľr mich wirklich die am wenigsten entspannte Reiseart.

Ich mache mich auf den Weg nach Marrakesch. Die Fahrt vom Flughafen zum Djemaa el Fna ist ein irres Erlebnis. Die Stra√üe ist „belebt“, der Verkehr bewegt sich „z√ľgig“ und chaotisch. Die Autos und die hoffnungslos √ľberladenen Transporter haben meistens Licht. Die zahlreichen Mofas und kleinen Motorr√§der fahren eher selten mit Licht und die Fahrer sind fast immer ohne Helm unterwegs. Die kleinen Motorr√§der sind mit ein bis vier Personen besetzt. Ganze Familien sind so teilweise unterwegs. Der Vater f√§hrt, ein Kind sitzt mit dem R√ľcken zur Fahrtrichtung auf seinem Scho√ü, die Frau sitzt hinten und zwischen den Beiden ist irgendwie noch genug Platz f√ľr ein zweites Kind. Kinder die zu klein sind, um sich selber festzuhalten werden gelegentlich auch auf dem Arm getragen, mit dem anderen Arm kann man sich noch festhalten. Auch Jugendliche fahren teilweise in laut krakelenden Kleingruppen auf einem Motorrad, einer sitzt h√§ufig auch mit dem R√ľcken zur Fahrtrichtung.

Zwischen all den motorisierten Fahrzeugen fahren noch ein paar unbeleuchtete Fahrr√§der und ich. √úberholt wird da wo gerade Platz ist. Die meisten Fahrzeuge sind laut und die Hupe ist bei einigen Fahrzeugen vermutlich das einzige was einwandfrei funktioniert. Unmittelbar vor mir ereignen sich w√§hrend meiner kurzen Fahrt zwei leichte Auffahrunf√§lle.¬† Beide Male weiche ich kurz auf den B√ľrgersteig aus.

Trotz all dieser Hektik f√ľhle ich mich nicht in Gefahr √ľber den Haufen gefahren zu werden. Ich habe den Eindruck, dass die Fahrer diesen Trubel gew√∂hnt sind und man merkt, dass sie trotz aller Hektik aufpassen und r√ľcksichtsvoll fahren. Solange ich auf das aufpasse was vor mir ist und keinem der lichtlosen Radfahrer hinten reinfahre und selber beim √úberholen aufpasse, passiert mir hier bestimmt nichts. Ich w√ľrde sagen, jeder f√§hrt da wo Platz ist und nicht da wo er seiner Meinung nach fahren darf. Mit der Fahrweise kann ich mich sehr gut arrangieren. Vermutlich bin ich √ľbrigens der am besten beleuchtete Verkehrsteilnehmer heute Abend.

Geschafft, ich bin am Djemma el Fna angekommen. Noch mehr Trubel, Lichter, Ger√§usche, Menschen, Farben und ganz viel Bewegung. Ich blende das erstmal aus und suche mir ein Hotel. Im Hotel Mimosa bekomme ich ein Zimmer mit Waschbecken f√ľr 70 Dirham. Das Zimmer ist ganz sch√∂n, wirkt auf mich aber ein wenig wie eine Gef√§ngniszelle. Keine Ahnung, ob das an den hohen, gekachelten W√§nden liegt oder an dem vergitterten Fenster zum Innenhof. Egal, mein Rad kommt mit ins Zimmer, ich gehe noch mal kurz auf die Dachterasse und werfe einen Blick auf den Djemma el Fna, dann gehe ich schlafen.